Freitag, 5. Februar 2016

(PA) Objektkunst mit Thomas Haufe



Immer Mut für Neues





Es sollte die sechste Präsentation im ersten Ausstellungsjahr unserer Galerie werden. Zweifelsfrei war der Erfolg des Beginns auf die Zusammenarbeit mit hervorragenden und bekannten Künstlern unserer Region zurückzuführen. Und doch sahen wir unser Anliegen damals bereits auch darin weniger prominenten und auch jüngeren Malern, Grafikern und Bildhauern die Möglichkeit einer Ausstellung in unseren Räumen einzuräumen. Für eine privatwirtschaftliche Galerie, wie wir sie zu führen bis heute im Sinne haben, sicher keine ganz so einfach umzusetzende Idee.
Als Thomas Haufe, der eigentlich Informatiker ist, im Sommer 2003 seine Arbeiten erstmals bei uns vorstellte, gingen wir mit unserer bald getroffenen positiven Ausstellungsentscheidung noch einen Schritt weiter. Zu uns war ein erfahrener Berufspraktiker gekommen, der den Weg zur Kunst erst spät über seine Liebe zum eigentlichen Beruf als Quereinsteiger fand. Mit seinen farbenfrohen und großzügigen Holzobjekten war und ist er imstande die Ästhetik der Mathematik abzubilden, ohne die wohl komplizierten Zusammenhänge umständlich erklären und damit entzaubern zu müssen. Was Thomas Haufe in aller Bescheidenheit schuf, überzeugte uns so sehr, dass wir es auch den Freunden unserer Galerie vorstellen wollten.



Und so kam es, dass mein Galeriepartner Dr. Helmut Stelzer und ich wenige Tage vor Ausstellungsbeginn im November 2003 zum vereinbarten Kunsttransport die Zimmer der Haufeschen Neubau-Mietwohnung im Süden von Halle betraten. Jene Stücke, welche hier und im Hauskeller in vielen Monate entstanden waren, sollten nun zwei Etagen vorsichtig, jedoch nicht ohne Anstrengungen, hinabgetragen werden. Diese erste Kabinettausstellung des Künstlers Thomas Haufe wurde ein durchaus viel beachteter Erfolg. Es folgten in den kommenden Jahren Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in den bekannten Einrichtungen der Stadt, darunter im Halleschen Kunstverein. 2004 erhielt Thomas Haufe den Publikumspreis im Rahmen der Großen Kunstausstellung der Stadt Halle (Saale). Fortan war der „Klötzermann“ in Halles Kunstszene bekannt, während die Zusammenarbeit mit unserer Galerie nicht abriss. 2010 beteiligte sich Thomas Haufe hier an einer Sonderausstellung zum Thema „Fußball“ und für 2016, dem Jahr seines 65. Geburtstages, ist eine weitere Einzelausstellung vorgesehen. Ab 1998 befasste sich Thomas Haufe mit Acryl- und Ölmalerei. Während er seine künstlerische Laufbahn als Autodidakt begann vervollkommnete Haufe seine Kenntnisse und Fähigkeiten gezielt, absolvierte zunächst einen Malkurs und zwischen 2012 und 2014 eine Gasthörerschaft an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale). Die Arbeit im eigenen Atelier im Künstlerhaus 188 führte ihn überdies bereits von 2007 an mit weiteren hallesche Künstlern zusammen. Der Schritt zur Kunst war für Thomas Haufe ebenso wie auch das Bekenntnis für die entstandenen Arbeiten durch seine Förderer und unserer Galerie Herzenssache. Kontinuität und unverstellter Blick auf die Schönheit der Wirklichkeit sind sein Geheimnis. Für Thomas Haufe ist diese wohl die Mathematik, welche aus der wissenschaftlichen Untersuchung geometrischer Formen und dem Rechnen mit Zahlen entstand und der er einen Großteil seiner beruflichen Laufbahn widmete. Folgerichtig sind seine künstlerischen Auseinandersetzungen im Ergebnis wohl diesem Ursprung logisch folgende abstrakte Objekte. Aus der Sicht des Betrachters erfordert die Erschließung dieser jedoch nicht die Kenntnis um die mathematischen Ansätze, jedoch bereits die Ahnung davon verleiht den Werken von Thomas Haufe ihren sehr besonderen Reiz.

Thomas Zaglmaier


Text zum Ausstellungskatalog 2016: