Montag, 2. März 2015

(PA) 'Winfried Mikolajczyk - Pastelle'; vom 17.01. bis 10.02.2015 in Galerie Zaglmaier






Am 17. Dezember 1944 wurde Winfried Mikolajczyk in Langeneichstädt geboren. Heute vor einem Monat wurde der Künstler 70 Jahre alt. Dazu möchte ich Ihnen, Herr Mikolajczyk, auf das Herzlichste gratulieren. 
Winfried Mikolajczyk, der heute wohl den wenigsten Hallensern noch bekannt sein wird, lebt seit 2013 wieder in Halle. Seitdem arbeitet er als freier Künstler in der Stadt in der er bis Juni 1989 lebte. Hier besuchte er die Schule und arbeitete in den verschiedensten Berufen. Sein Lebensweg führte Winfried Mikolajczyk nach Dresden an die ABF, nach Potsdam zur Berufsausbildung und zum Studium an die Fachschule für angewandte Kunst in Berlin zur Ausbildung zum Farb- und Oberflächengestalter für das Bauwesen. Den Beruf des Farbgestalters übte Winfried Mikolajczyk im halleschen Büro für Städtebau u. a. bis 1968 aus und nahm somit auch Einfluss auf die Gestaltung von Halle-Neustadt. In den Folgejahren wirkte er mit bei der baulichen Erhaltung von Quedlinburg und Halberstadt bis er von 1978 bis 1983 ein weiteres Studium an der halleschen Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein im Fachbereich Bildende und Angewandte Kunst den Abschluss als Diplom-Grafikdesigner ablegte. Bis Juni 1989, dem Zeitpunkt seiner Ausreise aus der DDR, arbeitete Winfried Mikolajczyk bei der DEWAG Leipzig, Betriebsteil Halle. 
Auch in der Bundesrepublik Deutschland war Mikolajczyk ununterbrochen als Grafikdesigner in den verschiedensten Bereichen der Werbung aktiv. Seit 1996 befasste er sich wieder verstärkt mit der Bildenden Kunst und war von 1999 bis 2013 Dozent für Zeichnen und Malen an der VHS Stuttgart.
Aus seinem Fundus der in über 50 Jahren entstandenen künstlerischen Arbeiten wählte Mikolajczyk für diese heute zu eröffnende Ausstellung überwiegend Pastelle. Auf der Suche im Rahmen der Darstellungen seiner erlebten Wirklichkeit entstanden neben Stadt- und Landschaftsbildern auch Stillleben und zahlreiche Porträts und Selbstporträts. „Ich war auch im Westen nicht immer glücklich.“ sagte mir Winfried Mikolajczyk mit Blick auf seine Selbstporträts jener Zeit. Ziel ist es zum Kern der menschlichen Seele vorzudringen. Dabei wurde die zunächst streng angelegten künstlerischen Arbeiten im Laufe der Jahre spontaner und leichter. Nicht selten belässt der Künstler seine Zeichnungen so beim Skizzenhaften des vor Ort Gesehenen und Empfundenen. Geblieben ist der Gestaltungswillen, aufbauend auf dem Kernwissen seiner grundhaften Ausbildung. Gleichsam überzeugt das scheinbar Absichtslose, ja zufällig Wirkende und lässt die Freude des Künstlers beim Malen und Zeichnen spüren, die sich auf den Betrachter überträgt. 

Der in den 80er Jahren in Halle einsetzende Stadtumbau vollzog sich nachdem zahlreiche historische Bauwerke nach jahrelanger Vernachlässigung abgetragen wurden. Winfried Mikolajczyk dokumentierte mit seinen damals entstandenen Pastellen diesen Zustand, der für die einen unerträglich und für andere zukunftsweisend aufgenommen wurde. Die hier gezeigten Darstellungen des Ackerbürgerhofes und der Klausstraße zeigen den Raum der geschaffen wurde für Taktstraßen und Kranbahnen, die mit den Erfahrungen des Bauens auf der grünen Wiese nun im Innenstadtbereich angewendet werden sollten. Die Stadtansichten des Stuttgarter Westens hingegen zeigen intakte Straßenräume und Baugerüste. Die auch hier durchaus ebenso geschehenen haptischen Sünden waren zu jener Zeit mit der Kraft des vielgepriesenen Wirtschaftswunders bereits abgeschlossen. Die Straßen vollgeparkt mit Autos wie ein Vorgriff auf das was auch Halle in naher Zukunft ereilte. 
Wunderbar und sensibel die Landschaftsbilder vom Amtsgarten in Halle und der Roseburg im Harz. Fröhlich und frei das Dorf im Schwarzwald. Von den Landschaftsbildern und Stillleben fand Mikolajczyk den Übergang zur Abstraktion mit jenen Arbeiten, die um und nach der Jahrtausendwende entstanden. Mit den hier nicht gezeigten Farbcollagen aus jüngerer Zeit setzt Mikolajczyk seine Arbeit in Halle fort. Seitdem leistet sich der Zeichner und Grafiker künstlerische Arbeitsräume ohne zusätzlichen Nebenjob mit voller Konzentration auf die uns umgebenden schönen Dinge. 
Anknüpfend an die vielfältigen Erkenntnisse aus Studium und Arbeitserfahrungen reiht sich Winfried Mikolajczyk ein in die Künstlerschaft unserer Region. Wir dürfen auf die Bereicherung gespannt sein und freuen uns darauf, mehr zu erleben. 

T. Zaglmaier
Rede zur Ausstellungseröffnung „Winfried Mikolajczyk“ am 17. Januar 2015