Dienstag, 17. März 2015

(PA) Gerhart Lampa, Kathrin Hänsel - Landschaftsmalerei / Audiokommenta...

Gemeinschaftsausstellung "Landschaftsmalerei"
14. März bis 05. Mai 2015


Gezeigt werden Landschaftsmalereien von Prof. Gerhart Lampa (1940 - 2010) und Kathrin Hänsel.
Die hallesche Malerin Kathrin Hänsel, welche den Freunden unserer Galerie aus einer früheren Kabinettausstellung bereits bekannt ist, stellt uns ihre neuesten Arbeiten vor. Außerdem lernen wir ihren Lehrer, Prof. Gerhart Lampa, kennen, bei dem sie Ende der 90er Jahre ein Praktikum am „Theater Neue Bühne Senftenberg“ absolvierte und damit letztlich die Anregung zum Studium an der halleschen Kunsthochschule erhielt.
Wir sind überzeugt, dass auch diese Ausstellung für Sie wieder ein wahrer Genuss sein wird und freuen uns auf Ihren Besuch. Zur Ausstellungseröffnung sprach Frau Seidl-Lampa.
Im Obergeschoss unserer Galerie zeigen wir Ihnen außerdem Malerei und Grafik von Ondine Frochaux Pallasthène (bis 07. April 2015).

Beste Grüße aus Halle
Annett und Thomas Zaglmaier


"Selbst", Ölmalerei von Gerhart Lampa

Landschaftsaquarell von Gerhart Lampa

Montag, 2. März 2015

(PA) Ondine Frochaux Pallasthène - Malerei und Grafik'; vom 14.02. bis 07.04.2015 in Galerie Zaglmaier in Halle (Saale)




Prometheus, ein Schicksal

"Was macht die Kunst?"
Diese mehr als berechtigte Frage stellte Detlef Färber, als zuständiger Redakteur der Mitteldeutschen Zeitung in den zurückliegenden Monaten wiederholt und beschrieb dabei das tatsächliche Dilemma der derzeitigen halleschen Kunstlandschaft. Den vielbeachteten Beiträgen und der anschließenden Diskussion wäre von meiner Seite nichts hinzuzufügen. Die Kunst macht, was sie immer tat. Sie kämpft, bringt sich ein, probiert sich aus und sucht neue Wege - wird dabei zum Indikator gesellschaftlicher Verhältnisse wie umgekehrt. Und gerade diese Auseinandersetzung ist hart, nicht nur in Halle - überall, nicht nur jetzt - immer. Während man in finnischen Schulen die Schreibschrift abschafft und mit Computertechnik weltweit immer wieder neue Möglichkeiten künstlerischer Ausdrucksformen gefunden werden, setzen viele Künstler überall nach wie vor dennoch auch auf Traditionelles. Beide Wege sind interessant, erfordern unsere Aufmerksamkeit und bieten Möglichkeiten die akademischen Grundlagen der Kunstgeschichte zu rezipieren. Dabei ist der Kunstmarkt heiß umkämpft. Unglaubliche Summen wechseln mancherorts die Besitzer während wir fassungslos staunen und fälschlich meinen Halle sei besonders schlecht dran. Wer Kunst studiert, weiß das - wer sich Kunst öffnet, sie liebt und konsumiert kennt aus eigener beruflicher Erfahrung, was es heißt zu kämpfen - weiß, dass alles auch einen fairen Preis haben muss.
So wusste auch Ondine Frochaux nicht erst als sie 2005 ihr Studium an der halleschen Kunsthochschule bei Prof. Möhwald abschloss um die Probleme des nun folgenden Berufslebens. Aus Achtung gegenüber jener göttlichen Frauenfigur der griechischen Mythologie, deren Name als Synonym für Weisheit im Kampf und für die Kunst steht, gab sie sich selbst den Beinamen „Pallasthène„. Gleichzeitig lässt dies darauf schließen, wie sehr sich die Malerin und Grafikerin der Kunstgeschichte verpflichtet sieht. Mit der griechischen Mythologie und der lateinischen und altgriechischen Sprache befasste sich Ondine Frochaux bereits seit ihrer Schulzeit, die sie in der französischen Schweiz in Lausanne und einem musischen Elternhaus mit Geigenspiel und Philosophie erlebte. Noch in der Schweiz wandte sie sich der bildenden Kunst zu, unterzog sich einer grundhaften Ausbildung im Zeichnen. Mit der Wahl des Studienortes kam Ondine Frochaux 1997 nach Deutschland, zu uns nach Halle. Hier suchte und fand sie in der Klasse von Prof. Otto Möhwald jene Erfüllung, die so wichtig für ihre künstlerische Perspektive werden sollte.
Ondine Frochaux befasste sich vor und während des Studiums intensiv mit dem Akt- und dem Naturstudium, wobei sie über die Abbildung des Gesehenen den Weg zur Abstraktion vollzog.
Es war die Sensibilität des gezeichneten Strichs in der Schweiz und die Sensibilität beim Setzen der Farben, Flächen und Formen in Halle, die sie schätzte. Und das, so sagte sie mir, sei ihr noch heute am Wichtigsten. Der Themenbogen in der Malerei von Ondine Frochaux ist weit gespannt und wird durch die Titel der Bilder bezeichnet:
Auf der Straße
Prometheus, ein Schicksal
Auf dem Eis
Frau mit Spiegel
Frau im Park
Hausarbeit
Die Brücke
Waldlandschaft
Die Stadt
Krake am Strand
Jedes Werk ist der Künstlerin wichtig - auf keines verzichtet sie unbedacht. Immer wieder prüft sie deren Qualität, will sie noch gültiger machen. Interessiert nimmt sie unsere Gedanken auf, freut sich über neue Interpretationen. Gemalte Gefühle werden sichtbar, manchmal bedrohlich und angsterfüllt, manchmal heiter - niemals banal. So erschließt sich die Malerei der Ondine Frochaux oft erst auf den zweiten Blick. Die Bilder sind nicht gefällig, sie berühren bevor sie ergreifen.
Die Technik des Holzschnittes kommt dem künstlerischen Konzept der Ondine Frochaux entgegen. Wieder werden Flächen und Formen gesetzt und abstrahiert. Alle Blätter sind aufwändige Handabzüge und werden so bereits zu Unikaten einer ohnehin kleinen Auflage. Einzelstücke sind in jedem Fall die nachträglich farbig angelegten Blätter. Das macht Varianten möglich und zeigt ein weiteres Mal die Freude der Künstlerin am Gestalten und am Schaffensprozess. Über dies erzählt Ondine Frochaux mit ihren Grafikzyklen Geschichten. Und wie zum Trotz gegen eine drohende kulturelle Verarmung in Folge einer möglicherweise Schule machenden Schulreform beginnt Ondine Frochaux ihre Holzschnitte mit Geschriebenem zu versehen. Die Fabel "Der Frosch, der gross sein will wie ein Ochse" des Jean de La Fontaine diente ihr ebenso als literarische Vorlage wie die Geschichte "Krokorollo" von Marianne Heukenkamp. Letztere wird wohl noch im Verlauf der Ausstellung als Buch erscheinen. Es ist die Geschichte eines kleinen Krokodils, welches anstelle von Beinen mit Rollen geboren wird. Was dieses etwas andere Krokodil erleben und wen es auf seiner Reise kennenlernen wird, werden wir erfahren, wenn das Buch hier bei uns in der Galerie vorgestellt wird.

Zahlreiche Reisen führten Ondine Frochaux rund um die Welt. Zur Vermittlung ihrer eigenen umfangreichen Sprachkenntnisse und zur Vertiefung derselben hielt sie sich neben Kolumbien, Thailand und China auch in Russland auf. Dort lernte Sie jeweils mit Land und Leuten kulturelle Traditionen auch internationale künstlerische Tendenzen kennen. Seit Abschluss ihres Studiums der russischen Sprache im Jahr 2006 an der Martin-Luther-Universität in Halle ist Frau Ondine Frochaux nun in ihrer Wahlheimat als freischaffende Künstlerin tätig. Ihre Arbeiten präsentierte sie in regelmäßigen Abständen an den bekannten Ausstellungsorten unserer Stadt und der Region. Kaum zu fassen, Ondine Frochaux, die vielseitige junge Frau, die aus der Schweiz zu uns nach Halle kam, hat sich nun auch einer ganz anderen künstlerischen Ausdrucksform zugewandt. Filmisch dokumentiert sie das Leben eines arbeitslosen Mannes und zeigt so das Schicksal eines Menschen, der unter uns lebt und doch mit seinen Talenten und Interessen ausgeschlossen ist.
Was also macht die Kunst? Was also machen die Künstler, die Museen, die Kunstvereine, die privat geführten Galerien, die Freunde und Förderer der Kunst? Schauen wir uns um, es ist doch großartig zu sehen, was und wen die Kunst bewegt. Lasst uns mehr auf alle Generationen zugehen und bringen wir vor allem die Kinder mit, machen wir selbstbewusst weiter und lernen wir uns einzuordnen mit unseren großartigen Künstlern, die fleißig und oft bis zur Erschöpfung arbeiten. In unserer Zeit der zunehmenden globalen Übersichtlichkeit ist das lokale Bekenntnis, demonstriert vor Ort und aufbauend auf den spezifischen Besonderheiten auf lange Sicht sicher der erste solide Ausgangspunkt.
In diesem Sinne danke ich Ondine Frochaux für diese Ausstellung. Dem Maler Günter Giseke danke ich, dass er uns aufeinander aufmerksam machte und Ihnen, liebe Freunde der Kunst, danke ich für Ihre Treue und Ihre Aufmerksamkeit.
T. Zaglmaier

(PA) 'Gerd Weickardt - Zyklus Zauberlehrling'; vom 17.01. bis 10.03.2015 in Galerie Zaglmaier




Die Welt ist rund und dreht sich. Das Wasser der Flüsse ergießt sich in andere Flüsse und schließlich ins große Meer. Dahinter gibt es andere Länder und Kontinente. Kinder, die das begreifen, träumen von fremden Blumen, Bäumen, Tieren und Menschen, werden in ihrer Phantasie angeregt, fragen und forschen. Ein kleiner Junge stand Mitte der 50er Jahre in Halle am Ufer der Saale und setzte zahllose selbstgebastelte und bemalte Papierschiffchen stromaufwärts ins Wasser. "Bei so vielen Booten", erklärte er seinen Freunden, "wird doch bestimmt eines den Weg in die ferne Welt schaffen."
Seit nunmehr 60 Jahren reist der Kapitän durch den Zauber der Zeit rund um die Erde und erlebt dabei Wunderbares aber auch Schreckliches. Gerd Weickardts Zauberlehrling will das eigentlich Unverständliche begreifen. Was treibt uns in Kriege, Hass und Gewalt? Dabei bedient er sich eben nicht höherer Mächte, die stumpfsinnig und bald nicht mehr beherrschbar für ihn agieren. Dieser Zauberlehrling beobachtet und zeigt uns dabei wie vielschichtig die Konsequenzen einer einzigen Tat sind, wie sich unsere Sicht darauf im Laufe der Zeit ändern kann und liefert uns somit Interpretationen des Erlebten.
Die in dieser Ausstellung gezeigten Themengruppen aus dem großen Zyklus "Zauberlehrling" von Gerd Weickardt sind lediglich ein Ausschnitt der künstlerischen Gesamtleistung. Präsentiert werden hier die Themen: "Gretchens Frage", "Meister", "Großer Auftritt", "Schreie" und "Goldmarie". Ausgangspunkte sind jeweils großformatige Gemälde. Diese wurden als Offset-Drucke reproduziert und künstlerisch weiterbearbeitet. Durch Übermalung entstanden die vom Künstler als "Printpaintings" bezeichneten Arbeiten. Zu jeder Themengruppe zählen konzeptionell 15 solcher Blätter. Da unser Zauberlehrling auf jedem Ölgemälde einer Themengruppe präsent ist, ist er es also auch auf jedem der "Printpaintings" - selbst dann, wenn er durch Übermalung mal nicht sichtbar ist. Die hier durch den Künstler Gerd Weickardt gewählte und seltene Verfahrensweise des Umgangs mit einem Thema lässt die Variation des selben durch das Belassen von Fragmenten des Druckes unter Hinzufügung neuer gemalter Elemente mit besonders spannenden Ergebnissen zu.
Mit der Werkgruppe "Großer Auftritt" wird an Personen und konkrete Ereignisse erinnert, die wir bis heute nicht vergessen haben und die verschiedenste Empfindungen wachrufen.
So erfährt Manuel Uribe, der mit 592 kg der schwerste Mann der Welt war, ebenso seinen großen Auftritt wie Marilyn Monroe, die DigeDags oder der Transvestit. Eines der weickardtschen "Printpaintings" dieser Serie würdigt die mutige Tat des Georg Elser, der die Welt am 8. November 1939 beinahe von einem der schlimmsten deutschen Despoten befreit hätte - ein anderes erinnert an die entsetzliche Hinrichtung eines Viet-Cong-Capitains im Jahr 1968 durch den Polizeichef von Saigon mittels Kopfschuss auf öffentlicher Straße. Damals drückte der Fotograf Eddie Adam auf den Auslöser seines Fotoapparates - die Dokumentation war auch Beitrag eines Kino-Augenzeugen.
Im Zenturm der Themengruppe "Meister" steht die schreckliche Fratze des Todes. Die Bildnisse der Marilyn Monroe im Zeitfenster von nur 2 Wochen als schillerndes Idol und Totenporträt.


Immer wieder die "Schreie" des neunjährigen Mädchens Kim Phúc sehen ja hören wir unter dem gleichnamigen Thema. Am 08. Juni 1972 wurde das vietnamesische Dorf Trang Bang bei einem Luftangriff getroffen. Das Foto wurde von Nick Út aufgenommen und ging als kriegsanklagende Fotoikone um die Welt. Das Mädchen welches durch schlimmste Verbrennungen verletzt war, konnte gerettet werden. Innerhalb von 14 Monaten musste sich das Kind in der Folge 17 Hauttransplantationen unterziehen. Heute ist Kim Phúc ehrenamtliche UNESCO-Botschafterin und setzt sich für Kinder in Kriegsgebieten ein.
Kinder erforschen die Welt, Kinder stellen Fragen. So auch die Weickardts Enkeltochter Gretchen. Farbenfroh und heiter baut sich die Welt des kleinen Mädchens auf. Von der Schöpfungsgeschichte zu den Sternen. Ebenso konfrontiert mit den Fragen zum aktuellen Zeitgeschehen mit Stacheldraht und Mauern, den Kindern in Konzentrationslagern und den einstürzenden Türmen des 11. September gipfelt die Betrachtung der Arbeiten im Spiegel. Ich bin Teil des Ganzen, was habe ich dagegen getan? Auf dem Tisch weitere Offset-Drucke zu neuen Themen lassen Freude und Hoffnung erkennen. Die „Blaue Blume“ der Romantik. Im Atelier des polnischen Bildhauers „Meister Jan“. Der „Goldkäfer“, „Goldei“ und „Freudenhaus“. Im „Sommer 2000“ hat der Künstler wohl jene gesuchten fremden Blumen und Bäume gefunden. Immer dabei der Zauberlehrling, der mit Kopf und Bauch empfindet. 
Keines der Papierschiffchen des Gerd Weickardt scheint untergegangen. Sie sind mit der Zeit über das Trothaer Wehr hinausgetrieben in die Welt und senden uns bis heute Nachrichten wie von Zauberhand. Viele dieser Informationen sind traurig, manche nur stimmen uns heiter. So ist es die Mahnung, die uns bleibt. Lerne die Welt mit eigenen Augen sehen, mach’s wie ein Kind. Sei der Zauberlehrling.

T. Zaglmaier
Rede zur Ausstellungseröffnung „Gerd Weickardt“ am 17. Januar 2015

(PA) 'Winfried Mikolajczyk - Pastelle'; vom 17.01. bis 10.02.2015 in Galerie Zaglmaier






Am 17. Dezember 1944 wurde Winfried Mikolajczyk in Langeneichstädt geboren. Heute vor einem Monat wurde der Künstler 70 Jahre alt. Dazu möchte ich Ihnen, Herr Mikolajczyk, auf das Herzlichste gratulieren. 
Winfried Mikolajczyk, der heute wohl den wenigsten Hallensern noch bekannt sein wird, lebt seit 2013 wieder in Halle. Seitdem arbeitet er als freier Künstler in der Stadt in der er bis Juni 1989 lebte. Hier besuchte er die Schule und arbeitete in den verschiedensten Berufen. Sein Lebensweg führte Winfried Mikolajczyk nach Dresden an die ABF, nach Potsdam zur Berufsausbildung und zum Studium an die Fachschule für angewandte Kunst in Berlin zur Ausbildung zum Farb- und Oberflächengestalter für das Bauwesen. Den Beruf des Farbgestalters übte Winfried Mikolajczyk im halleschen Büro für Städtebau u. a. bis 1968 aus und nahm somit auch Einfluss auf die Gestaltung von Halle-Neustadt. In den Folgejahren wirkte er mit bei der baulichen Erhaltung von Quedlinburg und Halberstadt bis er von 1978 bis 1983 ein weiteres Studium an der halleschen Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein im Fachbereich Bildende und Angewandte Kunst den Abschluss als Diplom-Grafikdesigner ablegte. Bis Juni 1989, dem Zeitpunkt seiner Ausreise aus der DDR, arbeitete Winfried Mikolajczyk bei der DEWAG Leipzig, Betriebsteil Halle. 
Auch in der Bundesrepublik Deutschland war Mikolajczyk ununterbrochen als Grafikdesigner in den verschiedensten Bereichen der Werbung aktiv. Seit 1996 befasste er sich wieder verstärkt mit der Bildenden Kunst und war von 1999 bis 2013 Dozent für Zeichnen und Malen an der VHS Stuttgart.
Aus seinem Fundus der in über 50 Jahren entstandenen künstlerischen Arbeiten wählte Mikolajczyk für diese heute zu eröffnende Ausstellung überwiegend Pastelle. Auf der Suche im Rahmen der Darstellungen seiner erlebten Wirklichkeit entstanden neben Stadt- und Landschaftsbildern auch Stillleben und zahlreiche Porträts und Selbstporträts. „Ich war auch im Westen nicht immer glücklich.“ sagte mir Winfried Mikolajczyk mit Blick auf seine Selbstporträts jener Zeit. Ziel ist es zum Kern der menschlichen Seele vorzudringen. Dabei wurde die zunächst streng angelegten künstlerischen Arbeiten im Laufe der Jahre spontaner und leichter. Nicht selten belässt der Künstler seine Zeichnungen so beim Skizzenhaften des vor Ort Gesehenen und Empfundenen. Geblieben ist der Gestaltungswillen, aufbauend auf dem Kernwissen seiner grundhaften Ausbildung. Gleichsam überzeugt das scheinbar Absichtslose, ja zufällig Wirkende und lässt die Freude des Künstlers beim Malen und Zeichnen spüren, die sich auf den Betrachter überträgt. 

Der in den 80er Jahren in Halle einsetzende Stadtumbau vollzog sich nachdem zahlreiche historische Bauwerke nach jahrelanger Vernachlässigung abgetragen wurden. Winfried Mikolajczyk dokumentierte mit seinen damals entstandenen Pastellen diesen Zustand, der für die einen unerträglich und für andere zukunftsweisend aufgenommen wurde. Die hier gezeigten Darstellungen des Ackerbürgerhofes und der Klausstraße zeigen den Raum der geschaffen wurde für Taktstraßen und Kranbahnen, die mit den Erfahrungen des Bauens auf der grünen Wiese nun im Innenstadtbereich angewendet werden sollten. Die Stadtansichten des Stuttgarter Westens hingegen zeigen intakte Straßenräume und Baugerüste. Die auch hier durchaus ebenso geschehenen haptischen Sünden waren zu jener Zeit mit der Kraft des vielgepriesenen Wirtschaftswunders bereits abgeschlossen. Die Straßen vollgeparkt mit Autos wie ein Vorgriff auf das was auch Halle in naher Zukunft ereilte. 
Wunderbar und sensibel die Landschaftsbilder vom Amtsgarten in Halle und der Roseburg im Harz. Fröhlich und frei das Dorf im Schwarzwald. Von den Landschaftsbildern und Stillleben fand Mikolajczyk den Übergang zur Abstraktion mit jenen Arbeiten, die um und nach der Jahrtausendwende entstanden. Mit den hier nicht gezeigten Farbcollagen aus jüngerer Zeit setzt Mikolajczyk seine Arbeit in Halle fort. Seitdem leistet sich der Zeichner und Grafiker künstlerische Arbeitsräume ohne zusätzlichen Nebenjob mit voller Konzentration auf die uns umgebenden schönen Dinge. 
Anknüpfend an die vielfältigen Erkenntnisse aus Studium und Arbeitserfahrungen reiht sich Winfried Mikolajczyk ein in die Künstlerschaft unserer Region. Wir dürfen auf die Bereicherung gespannt sein und freuen uns darauf, mehr zu erleben. 

T. Zaglmaier
Rede zur Ausstellungseröffnung „Winfried Mikolajczyk“ am 17. Januar 2015