Dienstag, 25. März 2014

LITERAtainment - Revue à la SIMPLICISSIMUS

 LITERAtainment - Revue à la SIMPLICISSIMUS

Die Personalausstellung der Galerie ist Ralf Bergner gewidmet. Als Satiriker in Malerei und Grafik karikiert er den Alltag. Damit gibt er Anlass für einen LITERAtainment Abend im Zeichen der Bulldogge – dem Wappentier des SIMPLICISSIMUS. In Moderation und Kommentar, Lesung und Spiel wird die satirische Zeitschrift vorgestellt, die ihren Höhepunkt vor 100 Jahren hatte. Karikaturisten, z.B. Thomas Theodor Heine und Ferdinand von Reznicek, und Dichter, z.B. Kurt Tucholsky und Frank Wedekind, prägten das bürgerliche Blatt. Ihre und Texte anderer Autoren des Simpls stehen auf dem Programm.

Revue à la SIMPLICISSIMUS 
LITERAtainment im Zeichen der Bulldogge
Dr. Hans-Henning Schmidt und Judith Kreuz
 
3.4.2014, 19.30 Uhr, Galerie Zaglmaier,
Große Steinstraße 57, 06108 Halle (Saale)
Eintritt: 8 € 


 LITERAtainment - Revue à la SIMPLICISSIMUS


Samstag, 15. März 2014

Ralf Bergner - Ausstellungseröffnung


 Ralf Bergner - Mit dem Skizzenblock durch Halle


Eröffnungsrede zur (PA) 'Ralf Bergner - Malerei und Grafik (PA)'; vom 1.3. bis 8.4.2014 in Galerie Zaglmaier in Halle (Saale)
von Thomas Zaglmaier

Die Gedanken sind frei
Wer Mitte der 80er Jahre in Halle unterwegs war, erinnert sich sicher an einen Schaukasten, der gegenüber dem Rolltreppenkaufhaus angebracht war. Der junge Maler und Grafiker Ralf Bergner hatte gerade seine Studien an der Halleschen und der Leipziger Kunsthochschule bei den Professoren Ruddigkeit, Sitte, Wagner und Hirsch abgeschlossen, als er sich ganz in der Nähe mit seinem ersten eigenen Atelier in das Abenteuer der Selbstständigkeit begab. Mit den dort gezeigten Zeichnungen und kleinen Radierungen erzählte Bergner Geschichten, die sicher nicht der damals bevorzugten politischen Linie, jedoch um so mehr den Vorstellungen und Träumen entsprachen, die junge Leute damals wie heute vom Leben haben. So war gleichsam eine Neuauflage des "Zupfgeigenhansel"-Liederbuches zu jener Zeit in aller Munde - frech, liebevoll und klug.

Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten
sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen
kein Jäger erschießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei

Ralf Bergner ist ein Mensch, der sich freuen kann und Schönheit würdigt. Er liebt den Sonnenschein und genießt den einsamen Turn mit dem Segelboot. "Sonnenschein" bringt ihm jedes gelungene Werk. So schätzt er auch die Arbeiten von Kollegen unserer Zeit und der Geschichte, sucht und findet Kontakte, sammelt die Kunst. Seine eigene künstlerische Arbeit reflektiert diese Lebensfreude. Alfred Hridlicka lobte den "witzigen Strich" und erwarb gleich mehrere Arbeiten Bergners.

Ich denke, was ich will
und was mich beglückt,
doch alles in der Still´
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch, mein Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei

Selbstkritisch und kritisch hinterfragt Ralf Bergner die Kunst und das Leben. Die überzogenen Charaktere seiner gezeichneten realen Individuen, der Generäle, Kurtisanen, Fürsten sind sympathischer Ausdruck dieser Auseinandersetzung. "Ab ins Loch" muss der arme Kerl sicher für eine Bagatelle - Kriegstreiber, Bankiers und wohl auch Großflughafenmanager bleiben ungeschoren.

Und sperrt man mich ein
in finstere Kerker
das alles sind rein
vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei
die Gedanken sind frei

Bei einem guten Essen und dem passendem Getränk kommt Ralf Bergner dann so richtig ins Schwärmen, wenn er von seiner Frau und den beiden Söhnen erzählt. Es scheint als wäre ihm allein die Familie wichtiger als die Kunst.

Ich liebe den Wein
mein Mädchen vor allen,
sie tut mir allein
am besten gefallen.
Ich bin nicht alleine
bei meinem Glas Weine,
mein Mädchen dabei:
Die Gedanken sind frei!

Über Ralf Bergner wurde anlässlich zahlreicher Ausstellungen im In- und Ausland vieles Wichtige gesagt. Sicher ist es für Sie, liebe Gäste, nicht die erste Ausstellungsbegegnung mit diesem außergewöhnlichen Künstler, der, obwohl er schon mehr als zwanzig Jahre in Berlin lebt und arbeitet, irgendwie noch immer zur halleschen Kunstszene zählt. Es gibt hervorragende Kataloge, wie den des halleschen Kunstvereines e. V., mit brillanten Texten und Abbildungen. Mein heutiger Beitrag ist ein persönliches Stimmungsbild.
Wenn Sie also, liebe Freunde der Kunst von Ralf Bergner und unserer Galerie, die heute beginnende Ausstellung ansehen, so bin ich davon überzeugt, dass einige Strahlen jenes Sonnenscheines, den der Künstler für uns eingefangen hat, auch Ihr Herz erwärmt. Eventuell legen Sie heute Abend die Schallplatte vom "Zupfgeigenhansel" auf, erinnern sich bei einem Glas Wein an das Gesehene und lassen Ihren Gedanken freien Lauf. Ich selbst bin in der glücklichen Lage in nächster Zeit des Öfteren hier sein und genießen zu dürfen - vielleicht sehen wir uns, wenn auch Sie wiederkommen.

Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
Die Gedanken sind frei!

Irmela Hadelich - Ausstellungseröffnung mit Rede und Videobotschaft


 Irmela Hadelich


Eröffnungsrede zur (PA) 'Irmela Hadelich - Scherenschnitte (KA)'; vom 1.3. bis 8.4.2014 in Galerie Zaglmaier in Halle (Saale)
von Christine Rammelt-Hadelich

Liebe Gäste,
es ist schade, dass meine Mutter nicht hier sein kann, um diese Eröffnung und die Reaktion des Publikums ganz direkt mit zu erleben. Mit 90 Jahren und aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen ist sie nicht mehr sehr mobil. Ihr Geist ist allerdings immer noch ziemlich munter.
Irmela Hadelich, geborene Nauck, entstammt einer sehr musischen Familie und ist ein grundsätzlich positiver Mensch. Ihre Tante war Bühnenautorin, ihre Eltern und ihre Schwester dichteten, musizierten oder malten in ihrer Freizeit. Das gehörte in der Familie Nauck einfach dazu. Schon früh zeichnete meine Mutter treffende akademische Portraits. Für die freie Kunst wäre sie nicht begabt genug, meinte sie, daher folgte sie dem Wunsch ihres Vaters und studierte Kunsterziehung in Berlin. Dazu gehörte ein sog. Werk-Lehrerseminar - hier in Halle an der "Burg Giebichenstein". In diesen beiden Semestern entstanden die ausgestellten Märchen-Scherenschnitte "Die goldene Gans" und das "Schneewittchen" und als selbst gewählte Studienaufgabe illustrierte sie hier ihr erstes Buch "Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren" zum Text der Gebrüder Grimm. Kurz vor dem Diplom an der Berliner Kunsthochschule bekam sie aber "kalte Füsse".
Ein Dessauer Keramiker empfahl ihr eine Lehre. Sie zog nach Bürgel und wurde Töpferin. Just in diesem kleinen Thüringer Töpferstädtchen fiel die schlanke junge Frau einem 20 Jahre älteren Mann auf, der dort ebenfalls berufliche, - aber auch familiäre Veränderungen suchte. Manch eine Dame der Umgebung hatte bereits ein Auge auf den 45 Jahre alten Töpfer-Umschüler geworfen. Die Männer waren knapp in jener Zeit. Irmela Nauck  und Martin Hadelich begegneten sich im einzigen Kaufladen des kleinen Städtchens, - er war sofort entzückt und hatte seine Wahl getroffen. Hunger und Frieren waren auch 1948 noch an der Tagesordnung. Er organisierte Kartoffeln und sie brachte ihm als Liebesgabe ein paar Briketts mit. Aus diesem "Bratkartoffelverhältnis"  wurde eine 52 Jahre andauernde Ehe und künstlerische Partnerschaft in Dessau.
In den fünfziger Jahren erschienen zwei weitere Bücher meiner Mutter in hohen Auflagen: die "Milchtopfgeschichte" über das Töpferhandwerk mit farbigen Linolschnitten und "Die Geschichte von der kleinen Schere" mit wunderbaren Scherenschnitten und jeweils eigenen Texten.
In dieser Zeit entstand auch ihr herrliches Blatt zu H.C. Andersen "Des Kaisers neue Kleider". -  Ein ganzes Märchen als Silhouette - mit Figuren voller Leben und Charme - aus einem einzigen schwarzen Blatt geschnitten! Zwischen diesen beiden Buch-Veröffentlichungen kam ich zur Welt und "Die kleine Schere" wurde zum erklärten Lieblingsbuch meiner Kindheit. Später fragte ich meine Mutter einmal: Warum hast du denn nicht weiter solche schönen Bücher gemacht? und sie sagte: Ach, damit konnte man doch kaum was verdienen!
Statt dessen nutzte sie nun ihr Illustrations-Talent und ihren Sinn fürs Dekorative beim Entwerfen von großflächigen Wandbildern. Sie entwickelte thematische figürliche Szenen und mein Vater setzte ihre Vorstellungen anfangs in Putzschnitte, dann in keramische Kachelbilder mit Glasurmalerei um.
Die Tatsache, dass meine Mutter so faszinierend feine Scherenschnitte anfertigen konnte, die sie zuvor immer ausführlich entworfen hat, zeigt ihre besonders langsame Arbeitsweise. Als sie dann ihre großen farbigen 1:1-Kartons und Pergament-Pausen als Arbeitsvorlagen malte und zeichnete, stellte das die Geduld meines Vaters oft gehörig auf die Probe. Sie veränderte manches immer und immer wieder. Sie war nie wirklich zufrieden mit dem Entworfenen. Manchmal platzte meinem Vater dann der Kragen und er nahm kurz entschlossen eine Pause von der Wand, um endlich mit der Ausführung voran zu kommen.
Seine Technik verlieh den Gestaltungen ihren besondern Charme durch die leuchtenden Glasuren - manchmal bis zu 90 verschiedene Farbtöne.
Viele Wandbilder für Schulen, Kindergärten oder Ambulanzen entstanden bis 1975. Für Halle-Neustadt entwarf meine Mutter mit 40 qm ihr größtes Wandbild: "Die Gaben der Völker"  mit 27 lebensgroßen Figuren aus 16 Ländern. Eine Arbeit von zwei Jahren, eingerechnet die Montage am Bau, die immer von meinen Eltern selbst geleistet wurde.
Es ist schon interessant, wenn man ein Leben und eine berufliche Entwicklung in der Rückschau betrachtet, - welche Wendungen oder auch Konstanten sich ergeben haben. Ohne meinen Vater hätte meine Mutter nicht solche großen Wandbilder geschaffen. Aber - ihren inhaltlichen und formalen Grundsätzen - ist sie im Grossen - wie auch im Kleinen immer treu geblieben.
Lange Zeit pausierte meine Mutter dann mit der bildenden Kunst. Einmal besuchte sie mit mir eine Ausstellungseröffnung beim Dessauer Kunstverein. An den Wänden hingen lauter 40x40 cm große Bilderrahmen von verschiedenen Künstlern. In diesen Rahmen war nur vereinzelt etwas wirklich Interessantes erkennbar.
Meine Mutter stand Kopfschüttelnd vor den Exponaten und sagte zu mir: "Ich weiß überhaupt nicht, warum ich immer dachte, ich bin nicht gut genug. - Wenn ich das hier sehe, könnte ich eigentlich auch wieder anfangen!"   -  "Mach das doch", sagte ich. Und kurz danach begann meine damals 74 jährige Mutter wieder grafisch zu arbeiten. Diese feinen Scherenschnitte waren ihr nicht mehr möglich, aber der Linolschnitt bot sich als passende Technik mit ähnlicher Charakteristik an. Anfangs entwarf sie Blätter zu gesellschaftlichen Themen, die ihr wichtig waren. Dann setzte sie aktuelle Theater-Stücke grafisch um, schnitt Portraits oder freie Themen. Im Alter von 76 entstanden die meisten Blätter, die sie immer auch selbst als Handabzug in wenigen Exemplaren gedruckt hat.
Schließlich schrieb sie humorvolle Verse und illustrierte endlich wieder neue Bücher. Zuerst "Meine Hausgeister" und danach "Der arme Unhold" ebenfalls mit Linolschnitten. Zu ihrem 89. Geburtstag gaben wir dann ihr sechstes Buch heraus: "Ein Bücherwurm erzählt 70 neue Geschichten", was beweist, dass Phantasie und Humor auch im hohen Alter ganz frisch bleiben - vorausgesetzt, dass man diese beiden Dinge überhaupt hat. Jenes Buch haben wir illustriert mit den Grafiken aus ihrer so produktiven Linolschnitt-Phase. Und obgleich die Geschichten später als die Bilder entstanden sind, ergänzen sich beide ganz wunderbar. Im Buch finden sich außerdem einige ihrer Gedichte.
Diese Kabinettausstellung ist übrigens die erste Personal-Ausstellung meiner Mutter. Ihre Arbeiten waren meistens nur ergänzend zu den Plastiken meines Vaters zu sehen. (Abgesehen von einer ganz privaten Ausstellung zu ihrem 80. die wir bei uns im Haus, im Kunstkabinett, für ihre Geburtstagsfeier arrangiert hatten.) Wir freuen und bedanken uns deshalb auch im Namen meiner Mutter für diese kleine feine Präsentation im Zaglmaier- Kabinett und hoffen, dass viele Besucher an den Arbeiten ihre Freude haben.
Bevor Sie unseren kleinen - in aller Schnelle zusammen gestellten - Videofilm sehen, noch ein ganz kurzes - aber sehr typisches Irmela Hadelich- Gedicht:

Die Weite Reise

Ein kleines Schwein
schwimmt ganz allein
im großen Rhein.
"Was schwimmst du denn,
du kleines Schwein
so ganz allein
im großen Rhein?"
"Ich schwimm zum Meer, - ist das noch weit?
Ich habe leider keine Zeit!"
"Was willst du denn,
du kleines Schwein
im großen Meer so ganz allein?"
"Was ich dort will? - Ein Meerschwein sein!"