Donnerstag, 12. Dezember 2013

Rede zur Ausstellungseröffnung am 30. November 2013


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„Bilder entstehen, wenn die Seele schwingt“ schrieb Uwe Pfeifer am 12. Juli 2003 in seinem Statement zur ersten Ausstellung in den Räumen unserer Galerie. Das diese Präsentation und somit die eigentliche Gründung der Galerie nun schon 10 Jahre zurückliegt, ist kaum fassbar, angesichts der zahlreichen wunderbaren Erinnerungen, welche wir mit Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, teilen dürfen. Uwe Pfeifers bedeutenden und bedeutungsvollen Bildwerke begleiteten die zurückliegende Zeit der gemeinsamen Arbeit stetig. Seine Geländerbänder ziehen sich durch unsere Räume und das Leben. Sie sind keine Barrieren, die nur ein exklusiver Betrachterkreis überwinden kann. Man kann, wie der Künstler zeigt, auf ihm balancieren, man kann sie durchbrechen und zwar zu jeder Zeit – am Morgen, am Mittag, am Abend, im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter, bei Sturm und bei gutem Wetter. So ist es im Leben, wie bei der Galeriearbeit. Wir zeigen, was uns Freude bereitet und wovon wir meinen, dass Anregungen und Sehnsüchte frei werden. Es ist die Balance, die Uwe Pfeifer offensichtlich ebenso interessiert. Das Windrad und der Kreisel stehen dafür. Angetrieben von Kräften, die nicht nachlassen dürfen, bleiben sie in stabiler Lage und trotzdem ist nicht wirklich klar, wohin der Weg dann wirklich führt. Wann bricht der rauchende Vulkan aus, bedeckt mit Lava und Gesteinsmassen das Errungene, um es zu vernichten, aber auch zu konservieren. Mit dem Quantensprung ergeben sich Optionen für den Neuanfang und die Rezeption in naher oder ferner Zeit.
Und eine neue Ausstellung ist immer auch ein Neuanfang – es gibt kaum Routine, die Künstler sind individuell wie ihre Werke. Der Nagel, welcher für ein Bild eingeschlagen wurde, passt für kein anderes. Die Ausbesserungen an den Galeriewänden sind Zeugnisse, welche komplett zu überstreichen, längst überfällig wäre, doch noch zeigen sie Galeriegeschichte. Sie sind Spuren der Ausstellungen von Niki de Saint-Phalle, Clemens Gröszer, Bärbel Dieckmann, Inge Jastram, Otto Niemeyer-Holstein, Ingeburg Hunzinger, Joachim John, Klaus von Woyski, Carl Marx oder Helmut Ruhmer. Junge und erfahrene Absolventen und Lehrer der Burg Giebichenstein, unserer halleschen Kunsthochschule haben in diesen Räumen ausgestellt. Viele der Künstlerbekanntschaften führten zu Freundschaften. So ist es nicht nur eine Frage der Zeit, die Wände neu zu streichen. Und wenn es dann doch einmal geschieht, dann wird es neue Ausstellungen und dann auch wieder neue Spuren geben.
Auch Uwe Pfeifer wird mit unserer Galerie in Verbindung bleiben. Die schon traditionelle Ausstellung zum Jahresende im Kabinett ist auch für 2014 geplant. Dann wird Hans-Christoph Rackwitz, dem wir von dieser Stelle nochmals herzlich zum jüngst verliehenen Kunstpreis der Stadt Halle gratulieren, die Personalausstellung präsentieren. Der Galerieplan für 2014 steht. Das Jahr beginnt mit Wilfried Fitzenreiter, einem der bedeutendsten Bildhauer Ostdeutschlands und dem jungen Maler und Grafiker Nicolas Engele, der seine Diplomarbeit präsentieren wird. Nicht widerstehen konnten wir der Empfehlung Barbara Thalheims für eine Ausstellung von Gemälden der Schweizerin Barbara Piatti. Knut Mueller wird seine großartigen und nachhaltig beeindruckenden Reportagefotos zeigen. Zum runden Geburtstag werden wir Malerei und Zeichnungen von Günther Rechn sehen. Es gibt ein Wiedersehen mit Carsten Theumer, Michael Karlovski, Eva Natus-Salamoun und Steffen Christophel. Wir freuen uns aus die Arbeiten des Leipziger Fotografen Wolfgang Blaschke sowie auf die keramischen Objekte von Antje Scharfe. Eine weitere Kabinettausstellung wird den wundervollen Scherenschnitten von Irmela Hadelich gewidmet sein. Zehn Jahre Galeriearbeit bedeuten anhaltendes Engagement aller Beteiligten. Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich meiner Frau Annett Zaglmaier. Ohne sie und ihre freundliche und als ausgebildete Diplom-Restauratorin, vor allem auch fachliche Beratung unserer Kunden wäre die Aufrechterhaltung des regelmäßigen Galeriebetriebes nicht denkbar gewesen. Ebenso herzlich danke ich Herrn Dr. Helmut Stelzer, als Mitbegründer der Galerie. Insbesondere in den ersten Jahren stellte er die Verbindungen zu den Künstlern her. Maßgeblich nahm er als Teilhaber Einfluss auf das Galeriekonzept. Mit seinem Ausscheiden vor fast drei Jahren konnte er sich neuen Aufgaben zuwenden und steht uns bis heute als Ratgeber mit Herz und Sachverstand zur Seite. Lassen Sie mich abschließend nochmals auf die Gründerzeit der Galerie zu sprechen kommen. Uwe Pfeifers Präsentation „Durchbruch“ vor zehn Jahren war, wie gesagt, die erste Ausstellung in den Räumen dieser Galerie. Bereits im Jahr 2001 zeigte Peter Michael Landschaftsaquarelle und Holzskulpturen in den Räumen unseres Architekturbüros im Obergeschoss. Für Peter Michael, den damals längst bekannten halleschen Bildhauer, den Schöpfer des „Drachenbrunnens“ und weiterer Werke im öffentlichen Raum Halles und der Region, dessen Arbeiten auf der DDR-Kunstausstellung und anderen namhaften Präsentationen zu sehen waren, war es damals die erste Einzelausstellung/Personalausstellung überhaupt. Der Zuspruch war groß – es wurde deutlich, dass der Bedarf an Räumlichkeiten zur Präsentation der Werke hallescher Künstler auf privat geführter Basis gegeben war. Ich gebe zu, folgendes Zahlenspiel war nicht geplant – es hat sich einfach ergeben, dass jene Künstler, welche die ersten beiden Ausstellungen bestritten, heute wieder vertreten sind und zwar mit der 149. und 150. Präsentation der Galerie überhaupt.
In leichter Abwandlung des eingangs vorgetragenen Zitates von Uwe Pfeifer erlaube ich mir zur sagen: Ausstellungen entstehen, wenn die Seele schwingt. Auch für die Zukunft wünschen wir uns, dass diese Schwingungen übertragen werden, ja Wellen schlagen.

T. Zaglmaier